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Begehren

Es gibt eine Form von Begehren, die sich auf den ersten Blick wie Intimität anfühlt, aber bei näherer Betrachtungsweise etwas ganz anderes ist.
Wenn eine Frau ausschließlich dann begehrt wird, wenn sie die Fantasien ihres Partner zu erfüllen in der Lage ist, wird sie vom Individuum zur pornografisch-emotionalen Projektionsfläche. Und Projektionsflächen haben keine eigenen Bedürfnisse - zumindest nicht in dem Raum, der Intimität ermöglichen sollte.

Echtes Begehren meint und sagt: 
"Ich sehe dich. Ich will dich. So wie du bist."
Intimität entsteht in der Hinwendung zum Gegenüber in seiner Gesamtheit.
Mit allen Ecken, mit Trauma, mit persönlicher Geschichte, mit all seiner Eigenwilligkeit. 

Fantasiegebunde Begierde ist das Gegenteil:
"Ich sehe, wie du meinen Bedürfnissen dienen kannst."

Was das in Beziehungen auslöst, ist ein Gefühl von Selbstobjektifizierung. 
Der Körper ist kein Ort von Empfindung und Hingabe mehr, sondern wird zum Instrument, das funktionieren und dienen muss, um durch die Erfüllung der Bedürfnisse des Gegenübers zumindest ein Mindestmaß an Nähe herstellen zu können. 
Wenn der Wunsch nach Verbindung übermächtig wird und man weiß, dass echte Begegnung unmöglich ist, dann nimmt man die Form von Nähe, die erfordert, dass man sich anpasst. 
Muss man seine eigenen existenziellen Grundbedürfnisse nach menschlicher Nähe über Jahre oder Jahrzehnte hintenanstellen, entsteht eine stumme Leere dort, wo Fülle vorherrschen sollte. 

Echte Intimität braucht das verbindliche Gefühl, gemeint zu sein. Nur hieraus entsteht die Sicherheit, die Sexualität benötigt, um in Intimität verwandelt zu werden. 
Wenn Begehren an Bedingungen geknüpft ist oder wird, bricht nicht nur diese Sicherheit weg, sondern über Zeit auch ein Stück Identität. 

Sexualität ist der intimste Raum, in dem wir uns zeigen, wie wir wirklich sind. 
Wird dieser Raum zur Bühne seiner Fantasie, in der sie nurmehr eine von ihm benötigte und festgelegte Rolle spielt, bleibt sie selbst der Zuschauer.

Kati 28.04.2026, 09.00

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Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.

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