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Erlernte Hilflosigkeit

Das neue Trauma meldet sich seit einigen Jahren verstärkt, wenn ich vor Problemen stehe. 
Aktuell skandiert es weinerlich laut Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll, ich weiß nicht, was genau ich tun soll, ich weiß nicht, was das Richtige ist...

Und diese Stimme ist so unfassbar nervtötend, wehleidig und gleichzeitig so überzeugend, dass ich versucht bin, einfach aufzugeben, ohne es überhaupt versucht zu haben. 
Ich besitze genug Reflexion, um zu wissen, dass diese Stimme nicht mir gehört. 
Das bin nicht ich, das bin ich nur geworden. 
Noch erschreckt sie mich. 
Noch denke ich: Huch, das hört sich eigentlich nicht nach mir an. Aber der Widerstand wurde über die Jahre schwächer. 

Ich vermute, dass man einem Menschen nur genug antun muss, dass auch der stärkste Wille irgendwann erlischt. Ich habe mich immer gefragt, wie ich meine Kindheit überlebt habe. Ich habe mit unzähligen Therapeuten und Psychiatern Theorien ausgearbeitet, warum und wie ich dieses Maß an Resilienz in einer Umgebung entwickeln konnte, die von Missbrauch, Gewalt und Folter geprägt war, aber letzten Endes ist Leben in all seinen Facetten eben einzigartig, genau wie die Wege, die wir einschlagen. 
Mein Geist hat mich auf die denkbar effektivste Weise gerettet: Er hat mich zersplittern lassen. Ich war nie ein Ganzes und werde es auch nie sein. 
Ich empfinde das inzwischen nicht mehr als Makel, sondern es ist der ultimative Beweis dafür, dass und wie ich überlebt habe.
Ich habe meinen Frieden mit all dem gemacht, ich habe mir nicht ausgesucht, in einem Haus voller Abgründe und ohne Liebe bei meinen Eltern aufwachsen zu müssen. 
Es ist, wie es ist.

Wenn ein Mensch wie ich jedoch irgendwann jemanden freiwillig wählt, ganz bewusst gegen jede Vernunft und Erfahrung entscheidet, dass da jemand ist, dem man vertraut, dann ist das für immer. 
In jeder Konsequenz, zu 100 Prozent, mit Leib und Seele. Ich bin jemand, der als Gefährtin absolut loyal, treu, zuverlässig und bis zum Erbrechen ehrlich ist. Und das muss ich sein. Wenn ich mich öffne, liegt alles von mir bis zum Grund meiner Seele in den Händen des Menschen, für den ich jederzeit alles geben würde. 

Ich habe das in meinem Leben einmal riskiert. 

Von jemandem verraten zu werden, den man selber gewählt hat, hat dann aber noch mal eine ganz andere Qualität.

Kati 05.05.2026, 13.34

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Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.

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