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Weiter, weiter?

Irgendwann kommt der Tag, an dem ich das Weiter, weiter! in meinem Kopf einfach ignoriere und stehenbleibe. An dem ich einfach nicht mehr weiter gehe, weil ich schon so viele Jahre eigentlich nicht mehr kann. Irgendwann. Und es wird ein wohliges Gefühl sein, weil ich meine Aufgaben hier erledigt habe und mich endlich zur Ruhe begeben kann. Nie wieder etwas fühlen, nie wieder Schmerz, nie wieder irgendetwas. Der Tod ist verlockend für Menschen wie uns. Ewiger Frieden.

Aber noch ist es nicht so weit. Und so schleppe ich mich seit Wochen durch Nächte, in denen sich der Suizid meines Vaters in Endlosschleife vor meinen Augen wiederholt. Mal bin ich nur dabei, mal bin ich er, mal ist er ich, alles verschwimmt ineinander und in dem Augenblick, in dem ich spüre, dass das Gift wirkt, ist der, in dem ich aus dem Schlaf hochschrecke und lange Momente nach Luft ringen muss, mein Gehirn verzweifelt kontrollierend, ob ich noch atmen kann, mein Herz noch schlägt…

Die Tage sind durchzogen vom Schmerz des Unverständnisses, das mir begegnet. All die Arbeit scheint umsonst, wird klein geredet, nicht so nötig, eigentlich alles nicht so schlimm, nicht so extrem, wie ich es darstelle, nicht so dringend, nicht so wild. Die Suche nach Empathie scheint vergebens, vielleicht ist es auch einfach nicht möglich, vielleicht muss ich einfach auch mal aufgeben können, um mich nicht selber zu zerstören.

In Wut und Schmerz und Trauer und Trauma habe ich eine schreckliche Fehlentscheidung getroffen und habe mich hinreißen lassen, mich selbst zu verletzen. Fataler als geplant, der Fuß ist hin und wie immer in diesen Fällen bestrafe ich mich mit dem Schmerz für die Verletzung. Ich bin es nicht wert, geschont zu werden, es ist nur gerechte Strafe, dass jeder Schritt mir durch Mark und Bein fährt, ich wollte es so, selber schuld, trag die Konsequenzen. Und das tue ich. Und ich merke jeden Vormittag, wie der Schmerz und die Kälte mich übermannen, ich nur noch schlafen will, nach dieser schon nur so geringen Belastung, die ich mir zumute - Gassi, einkaufen, Kinder betüdeln - ich zittere mich vor seelischer Erschöpfung durch die erste Hälfte des Januars und habe dabei nur Verachtung für mich übrig.

Ich kann nichts, ich bin nichts, ich scheitere selbst an der Liebe.

Kati 08.01.2024, 12.00

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Kommentare zu diesem Beitrag

2. von Katrin

ich stehe gehe neben dir, mit Tränen in den Augen, die das Weiterlaufen in das Gesicht verweigern. ich fühle mit dir.

bei jedem Schlusswort, jedem Brief an den Vater, hab ich gehofft, du bist damit durch. und trotzdem die innere Stimme gehört: es kommt wieder. es kommt immer wieder.

die tränen wische ich mir weg. ich bleib hier. so lange du das willst.

vom 11.01.2024, 18.41
1. von Tina

Fühl Dich ganz fest umarmt und gesehen.

Ich kenne niemanden, der so viel kann wie Du.
Ich kenne niemanden, der so viel ist wie Du.
Ich kenne niemanden, der so bedingungslos und groß liebt wie Du.

Ich wünsche Dir, dass Du Dich selbst ganz bald wieder findest und sanft zu Dir sein kannst.

Tina.

vom 10.01.2024, 15.07



Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.


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