Ausgewählter Beitrag

06.03.2026

Ich wache mit Migräne auf und Schwindel, Kopfschmerzen und Kreislaufbeschwerden multiplizieren sich mit jedem Kind, das die Treppe runtertrampelt. Meine Sorgen kreisen laut kreischend in meinem Kopf, während ich meine kleine Müslischale voller Medikamente als Frühstück zu mir nehme. Sofort wieder ins Bett ist nicht, ich muss mich gleich fertigmachen, absagen ist wie versagen, geht mich, mach ich nicht. Der erste Anruf des großen Kindes, ich halte aus, höre zu, bestätige, beruhige, vermisse, wäre gerne näher und weine ein paar stumme Tränen, das kann ich ja gut. Asgard hat gestern alle Probekekse für die Konfirmation gefressen, weil ein Kind die Küche aufgelassen hat, immerhin waren sie noch unverziert, sonst wären nicht nur teure Zutaten sondern auch Stunden an Arbeit für die Katz im Hund. Ludwig altert gerade massiv, er wird dieses Jahr 10 Jahre alt, ist grau, wird langsamer, doch so liebevoll ergeben, so aufmerksam, so pflichtbewusst und regeltreu wie eh und je, wann immer ich darüber nachdenke, ihn verlieren zu können, kommen wieder die Tränen. Ich weiß, man findet seinen Seelenhund immer nur einmal im Leben. Und ich weiß mit absoluter Sicherheit, dass er und ich einmalig sind. Nach ihm wird es keinen Hund mehr für mich geben. Die Kriegerin hat Henriette inzwischen komplett vereinnahmt, Henriette ist nicht mehr mein Hund. War sie vielleicht auch nie. Die Kinder sind allesamt so verliebt in sie wie in keinen der beiden sturen Bollerköppe, die mein Herz tragen. Hunde finden ihre Menschen, schätze ich. Es ist, wie es sein soll. Ich muss heute Cookies für den Schwiegersohn backen und eine riesige Lasagne für die große Tochter. Beides können der Mann und die Kinder morgen mitnehmen, wenn sie dorthin fahren, um das Baby kennenzulernen und zu bestaunen. Ich möchte auch wieder hin. Möchte mein Kind umarmen, bewundern, sicher sein, dass es ihm gut geht. Ich verfluche all die Mitgroßeltern, die nicht erkennen, wieviel emotionalen Druck sie gerade aufbauen, indem sie um ein Neugeborenes rangeln und die Grenzen der Mutter missachten. Ich hasse Menschen. Der Schwiegersohn zeigt eine derart ausgeprägte emotionale Reife, dass mir die Luft wegbleibt. Er übernimmt so viel Verantwortung, zeigt Rückgrat, steht für meine Tochter und ihre Bedürfnisse ein und stellt sich vor sie wie der Schild, der er ihr geschworen hat, zu sein. Ich lerne gerade, ihn auf eine sehr besondere Art zu lieben.

Kati 06.03.2026, 09.04

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Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.

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