Ausgewählter Beitrag
1 Jahr
Es ist jetzt fast ein Jahr her, dass hier thematisch ein Tor zur Hölle geöffnet wurde. Und wenn ich mir die Trag- und Reichweite dieser erst als Arbeitshypothese in den Raum gestellten Diagnose eines anderen Menschen ansehe, dann ist es doch wirklich erstaunlich, dass meine Bruchlandung erst nun kommt. Wie lange habe ich diesen Scheißvogel in der Luft gehalten, trotz aller fatalen Auswirkungen, die dieses Thema an Erkenntnissen für mich mit sich brachte? Mein gesamtes Selbstverständnis, meine Rolle und nicht zuletzt Entscheidungen, die ich vor Jahrzehnten getroffen habe, basieren allesamt auf falschen Annahmen. Das ist ein verdammt großer Frosch zu schlucken. Und trotzdem habe ich Monate damit verbracht, selber ungesehen meine gesamte Energie zu jemand anderem fließen zu lassen. Und selbst als sich das als kontraproduktiv herausstellte und ich völlig alleine war, habe ich es bis auf wenige Ausnahmen geschafft, meine Struktur aufrechtzuerhalten, die mir die Selbstwirksamkeit schenkt, die ich benötige, um weiterzumachen. Eine Freundin framte das mal als "so tun, als wäre alles in Ordnung" und das hat mich zutiefst verletzt. Denn das Umschalten aus der Trauer und der Verzweiflung und dem Schmerz heraus ist eine meiner absoluten Meisterfähigkeiten. Ich kann das in Perfektion und es ist vielleicht der Skill meines Lebens. All diese Gefühle und Ohnmacht zur Seite schieben zu können, damit sie mich nicht übermannen und sie zu einem Zeitpunkt meiner Wahl herausfließen zu lassen, um sie zu verarbeiten. Ich will kein Befehlsempfänger meiner Hilflosigkeit sein. Mein Wissen, dass ich in meinem Leben immer auf die Füße fallen werde, ist untrennbar damit verbunden und nichts davon ist gespielt. Nichts in mir "tut so", als wäre alles in Ordnung. Ich habe mein Gehirn in diesen Momenten aber so weit im Griff, dass ich mich für Stunden, Momente, Situationen aus der Trauer lösen kann und das ist das,was mir die Kraft gibt, ihr in anderen Momenten erneut zu begegnen. Was Menschen in dieses Verhalten hineininterpretieren oder daraus ableiten, ist nicht mein Problem.