Wenn man nach einem Haarschnitt in den Spiegel sieht und der erste Gedanke ist ein überglückliches Oh Gott, das bin ja endlich wieder ich!, dann hat man definitiv die richtige Entscheidung getroffen.
Die letzten vier Jahre waren in mehr als nur einer Hinsicht unerträglich. Und irgendwo in all dem Wust aus wirren Gedanken zu Attraktivität und dem würdevollen Altern, der Frage, was noch angemessen und was schon vermessen zu erwarten ist und was es mit mir macht, als Großmutter noch weiter in der Versenkung der Unbedeutsamkeit zu verschwinden, habe ich die Haare wachsen lassen. Wäre doch schön, nicht mehr so aufzufallen, wäre doch an der Zeit, mal wieder lange Haare zu tragen, wäre doch irgendwie würdevoller, mit schwarzgrauen langen Locken den Oma-Look zu kultivieren statt irgendwann vielleicht damit konfrontiert zu werden, nicht altern zu wollen, nicht so, wie Gesellschaft und Patriarchat es vorgeben.
Die Haare sind bei mir immer Symbol des Seins und Werdens, der sichtbare Teil dessen, was mich innerlich umtreibt und so wundert es nicht, dass ich nur wenige dauerhafte Perioden meines Lebens über einfach nur lange Haare hatte. Und mit jeder Strähne, die fiel, wurde meine Seele leichter. Da bin ich noch, beim Blick in den Spiegel.
Auch wenn mich sonst keiner sieht, ich habe mich selbst wiedergefunden.
Ich freue mich so sehr für dich.
vom 22.06.2026, 17.39