Ich stehe nach dem Duschen nackt und wundgeschrubbt auf der Terasse und genieße die Kälte, die mich so verlockend umhüllt. Klare Luft, Eiseskälte und Stille. Nur von mir geht ein schwacher Erdbeergeruch aus, der mich wohlig in der Nase kitzelt.
Meine Vorsätze beziehen sich dieses Jahr auf Dinge, die ich lassen, statt auf Dinge, die ich tun will. Und so ist auch klar, dass das neue Jahr keinen schöpferischen Impuls aus kreativer Kraft geben kann, sondern mit Sorgen startet. Geldsorgen, Gesundheitssorgen, Beziehungssorgen, Kindersorgen, Tiersorgen. Und zum ersten Mal fühle ich Anfang Januar keinen Schaffensdrang. Der Schnee, der draußen liegt, berührt mich nicht, obwohl das zeitlebens mein Highlight des Winters war. Es dringt einfach nicht durch. Ich hänge beim Fotosortieren immer noch in düsteren Gedanken fest, was ich alles mit mir habe machen lassen, um meinen Wert als Mutter, Ehefrau, Tochter, Enkelkind, Freundin, Arbeitskraft zu beweisen und nichts davon hat mich wirklich weitergebracht. Also lösche ich weiter. Aus meiner Erinnerung kann ich es nicht löschen, aber als Zeitdokument muss ich es nicht behalten.