Ausgewählter Beitrag

Begegnung

Ich trage so viel Schmerz in mir. 
Übergangsschmerz zwischen dem gewesenSein und dem Werden, das noch so wenig Form hat. 
Ich sehe meine Tochter, die so fruchtbar und wunderschön hell leuchtend in eine Zukunft startet, in der ihr ganzes Universum auf ein Wesen ausgerichtet sein wird, das sie lehren wird, was Liebe wirklich bedeutet. 

In mir ist nur Traurigkeit, Erschöpfung, Rückzug und Verletzlichkeit. Ich bin das Ende von etwas, das mir lange selbstverständlich war. In der Begegnung mit ihr reiben diese zwei Lebensphasen so schmerzhaft aneinander, dass ich mutlos zurückbleibe. Meine Identität als Mutter endet. Ich war fast zweieinhalb Jahrzehnte lang ausschließlich die Mama. Die Starke, die, die trägt, die eine existentielle Aufgabe hat, die niemand in Frage stellt. 
Ich habe Mutterschaft gelebt, vollständig, intensiv, mit jeder Faser meines Seins. Eine Identität, die mir Sinn gegeben hat. Ich verlasse also nicht nur eine Phase meines Lebens, ich verlasse eine jahrzehntealte Daueraufgabe, die mein Nevensystem strukturiert und alles um mich herum gehalten und getragen hat. 
Ich habe reguliert, erzogen, gehalten, getragen, ausgeglichen, geführt, geleitet, ermutigt, habe zugehört, war emotional ununterbrochen für alle in meiner Umgebung verfügbar. Und obwohl ich davon so müde bin, trauere ich. Ich trauere um die Version von mir, die sich so lange so sicher war, was ihre Berufung ist. 

Das, was jetzt folgt, hat keinen gesellschaftlich akzeptierten Namen außer alt
Im Patriarchat verliert eine Frau nicht nur Jugend, Schönheit und Fruchtbarkeit, sondern vor allem an Wert. 
Und ich merke das. Jeden Tag.

Kati 07.01.2026, 10.59

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Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.

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