Ausgewählter Beitrag
Der mentale Kreis [ad absurdum]
Wenn der Wunsch nach Veränderung in der Theorie verweilt, dann wird aus Reflexion sehr schnell Selbstbetrug.
Intellektualisierung ist vielleicht unsere größte Stärke, um Verhaltensweisen zu überdenken, ohne Aktion aber gleichzeitig nicht mehr als ein klassischer Abwehrmechanismus, um Gefühle, Unsicherheiten und Ängste durch Planung, Erklärung oder Handlungskonzepte einfach totzudenken.
Der Kopf arbeitet, damit weder Gefühl noch Körperlichkeit zugelassen werden müssen.
Denken ist Distanz, Handlung ist Verbindlichkeit und damit Risiko für jeden, der Nähe und Verletzlichkeit als potentielle Gefahr erlebt.
Das Perfide daran ist, dass unser eigener Geist uns vorgaukelt, so reflektiert, reif und mutig zu sein, denn wir beschäftigen uns ja den ganzen Tag mit diesen Gedanken und laufen nicht vor ihnen davon.
Dabei tun wir genau dies. Wir verstecken uns hinter Einsichten, die wir nicht verkörpern, sondern auf einer leblosen Denkebene archivieren und nennen das dann Weiterentwicklung. Ständige Recherche, Listen mit Plänen, Umarbeiten von Themen, wiederholte Diskussionen ein und desselben Themas sorgen dauerhaft für ein Gefühl echter Bewegung, ohne jemals die Unsicherheit von realem Handeln ertragen zu müssen, denn jede Veränderung ist gleichzeitig Kontrollverlust und Kontrolle ist alles, was man noch hat.
Wer wäre ich also, dieses Konzept anzugreifen, wenn der Strohhalm namens Kontrolle der einzige Schild ist, der einem Menschen im illusorischen Wahn, sich damit vor emotionalem Schmerz schützen zu können, bleibt?
Denken als neutraler Zwischenraum, in dem Nähe theoretisch überlegt werden kann, sich aber niemand wirklich näher kommt.
Ich darf mich diesem Versteckspiel verweigern.