Ich merke es ja selber, dass ich angefangen habe, die wirklich wichtigen Texte mit dem Kopf zu schreiben. Das Gefühl ist verschüttet unter einem Berg von Ignoranz, Verrat und der immerwährenden Angst, verlassen zu werden, wenn es wirklich drauf ankommt. Wenn ich mich diesem Gefühl ergebe, dann gebe ich endgültig auf. Also flüchte ich von der Amygdala in den Neocortex.
Pure Ironie, wenn man bedenkt, dass Überleben eigentlich nur andersherum funktioniert, aber vielleicht ist das die nächste Stufe der Evolution im Allgemeinen: Nicht mehr fühlen, mehr denken. Wenn wir in einer Welt leben, in der wir alles erklären können, müssen wir nicht mehr verletzt sein. Es würde überhaupt keinen Sinn mehr machen.
Also zerre und trete ich meine Themen von den Tränen weg in den Intellekt und zwinge sie noch zappelnd zur Obduktion. Mit akademischer Präzision seziere ich das Gefühl in seine Bestandteile, bis es keinen Bestand mehr haben kann.
Zerfaserung zugunsten der Zweifel.
In dubio pro dubio, quasi.
Wer nicht mehr fühlt, kann lauter denken.