Es macht einen existenziellen Unterschied, ob jemand uns erlebt oder verbraucht.
Wer nur konsumiert wird, wird auf das reduziert, was er gibt: Zeit, Aufmerksamkeit, Fürsorge, Leistung, Regulation, Sicherheit, Unterhaltung. Es entsteht Nähe, ja, aber ohne, dass echtes Kennenlernen stattfindet. Ich merke das gerade wieder sehr zuverlässig in der Umgebung, die ich "Freundeskreis" nenne. Die Dinge, die mich bewegen, über die ich mich freue, die mich beschäftigen, sorgen nicht für Nachfragen sondern maximal für das obligatorische "Oh wie schön für dich." oder "Ach wie schade." Das echte Interesse an mir bleibt aus.
Mit der Zeit hinterlässt das nicht nur Spuren, sondern auch Narben. Man fühlt sich austauschbar, übersehen und einsam - selbst inmitten von Freundschaft, Beziehung oder Familie.
Manchmal denke ich, ich werde nicht gesehen, ich werde nur betrachtet. Und hinterfrage meinen Anteil daran. Menschen, die denken, sie wüssten etwas über mich, weil sie meinen Social Media Kanälen folgen. Die völlig irrelevante Informationen über Insta, Twitter, TikTok ziehen und sich mir dann nahe fühlen, weil sie einen Einblick in mein "Leben" haben. Ich bin generell ein offener Mensch, aber ich teile nur, was mich nicht anfasst. Um mich also wirklich sehen zu können, muss man in Beziehung zu mir treten, statt mich nur als RealityFormat zu betrachten, das man konsumieren kann. Es gibt Gründe, warum ich den großen Account gestoppt habe. Menschen, die mir wirklich etwas bedeuten, verwechselten die Projektionsfläche Jadekompendium mit Kati.
Um mich zu sehen, braucht es Neugierde. Interesse. Nachfragen und vor allem die Fähigkeit, zuhören und entdecken zu wollen, was hinter dem Offensichtlichen liegt.
Neugierde ohne Sensationslust ist eine hohe Form von Wertschätzung.
Sie sagt: Ich habe mehr Interesse an dir als nur an dem, was du für mich tust.
Und genau dort beginnt Verbindung.