Ausgewählter Beitrag

Schritt für Schritt. Weiter.

Ich spüre meistens, wenn ein Lebewesen bald stirbt. Selbst wenn ein Tier fit, mobil und symptomlos ist, ist es, als wäre da ein unsichtbarer Schatten im Hintergrund.
Habe mich gestern Abend schon in Ruhe verabschiedet, als ich alleine die Tierrunde machte und trotzdem tat es mir in der Seele weh, den großen Goethe heute Morgen mit seiner besten Freundin kuscheln zu sehen, obwohl sie schon tot war. Ganz dicht lag er neben ihr und schlummerte noch, als ich die Tür öffnete und den Stall betrat.

Es überfordert mich. Die Taktung, vor allem. 
Die aktuelle und inoperable Tumordiagnose beim Uralt-Zwerg schwebt zusätzlich wie ein Damoklesschwert über unserem Kopf und ich spüre, wie ich abwäge, wann ich den Kindern das Einschläfern zumuten kann. Er hat keine Schmerzen, die Probleme sind noch überschaubar, aber wir reden eher von wenigen Wochen als Monaten. 
Ich will so nicht an die Sache herangehen. 

Das Kind, das jeden Moment wieder in den schwarzen suizidalen Strudel gerissen werden kann, bei dem Stabilität an oberster Stelle steht und das unabdingbar die Tiere braucht, um diese emotionale Stabilität zu erreichen, ist zuhause, hat den Braunbären an die Seite bekommen, der sich endlich wieder auf seine Arbeit konzentrieren kann und sie im Hier und Jetzt hält. Versteht. Anzeigt, dass er sieht, wie es ihr geht. Sie anstupst, unermüdlich. Bis sie wieder mit der Welt verbunden ist.

Drahtseil. Abgrund. Überall.

Kati 09.02.2023, 10.58

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Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.


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