Blogeinträge (themensortiert)

Thema: KinderKinder

Tiefpunkt

Dachte ich doch die gesamte vergangene Woche, der Tiefpunkt wäre erreicht, setzt das Wochenede noch mal mühelos einen drauf. Oder besser - drunter. Egaler als jetzt kann mein Leben wohl nicht werden.

Kati 19.01.2026, 08.07 | PL

Entspannung

Das Baby liegt flach. Was sich gestern im Laufe des Tages schon angekündigt hat, gipfelte spätabends in hohem Fieber und völliger Erschöpfung. Mein Geruchssinn, der mir so zuverlässig meldet, wenn eins der Kinder einen Infekt in sich trägt, schweigt. 

Also gebe ich meiner Intuition nach und sehe die Symptome als das, was es vermutlich ist: Völlige Entspannung von Körper, Geist und Seele nach so vielen Tagen ohne Privatsphäre, ohne das eigentlich nötige Kuscheltier, ohne Raum oder Ruhe für sich selbst, immer getrieben von einem Tagesprogramm, auf das man keinen Einfluss hatte, umgeben auch von Menschen, die man nicht ständig alle um sich haben möchte, genährt von Nahrungsmitteln, die keine Sicherheit vermitteln. 
Was ich sonst mittags schon massiv auffangen muss, wenn die 6-8 Stunden Höchstfunktionalität in der Schule ihren Tribut fordern, macht sich nach über einer Woche um ein Mehrfaches potenziert bemerkbar.
Also bleibt er zuhause, ich schweige still, wenn er sich an mich kuschelt, halte ihn, wenn er völlig zerstreut in meinem Arm zu vergessen scheint, wo er gerade ist oder was er tun wollte. Er bekommt Wohlfühlessen, Wohlfühltrinken, Wohlfühlatmosphäre, Schlaf, was immer er braucht, damit sein innerstes Selbst wieder in seine Mitte findet. 
Es ist unglaublich, was er da in den vergangenen Tagen geleistet hat. Ich bin so unendlich stolz, dass er voll freudiger Erinnerung auf diese Skifahrt zurückblickt und auch in der Kommunikation mit mir ganz klar trennen kann: Das war ein Riesenspaß mit besten Freunden und es war anstrengend bis überfordernd für mich.

Die Ambiguitätstoleranz, beides nebeneinander ohne Abwertung des jeweils anderen stehen lassen zu können, ist neu. 

Kati 15.01.2026, 13.01 | (3/0) Kommentare (RSS) | PL

Küche, Kinder, Katastrophen

"Der nervige kleine Mensch aus diesem Haus fehlt ja doch irgendwie." 
Das ist wohl schon die ultimative Liebeserklärung, die man als große Schwester machen kann. 
Der große Sohn überträgt seine eigenen Gefühle gnadenlos auf mich: "Da bist du aber froh, wenn er diese Woche wiederkommt, hm? Das ist ja doch schon sehr ruhig hier ohne ihn. Jajaja, ich weiß, ich beschwer mich immer, aber das ist ja wirklich sehr still hier. Das muss dir ja fehlen." 
Ich rolle also einigermaßen liebevoll die Augen und wende mich wieder meinen eigenen Problemem zu, denn nachdem wir gestern das Esszimmer zum Renovieren ausgeräumt haben, kamen uns Teile von zwei Wänden entgegen, die im Winter ausgeblüht sind. 
Mal wieder die fatale Kombination von zu viel Nässe und falschem Putz. Ich habe also alles runtergerissen, was lose und bröselig war und nun schiebt sich die Renovierung um Abtrocknen der Wände und Verputzen und Abtrocknen des Putzes nach hinten, während wir kein Esszimmer mehr haben, dann eben die nächsten zwei Wochen stehend in der Küche essen, alle Schränke im Wohnzimmer stehen, aller Inhalt der Schränke in der Gartenküche untergebracht wurde und Ludwig vor lauter Stress 240 Liter Schaumstoffschnipsel aus einem großen Sitzkissen im Wohnzimmer verteilt hat und wir knietief durch das statisch aufgeladene Zeug waten mussten, um es in mühevoller Handarbeit in Müllsäcke zu stopfen. Schönschön. 
Die Woche wird ja vielleicht besser als das Wochenende.

Kati 12.01.2026, 12.39 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

1 Jahr

Es ist jetzt fast ein Jahr her, dass hier thematisch ein Tor zur Hölle geöffnet wurde. Und wenn ich mir die Trag- und Reichweite dieser erst als Arbeitshypothese in den Raum gestellten Diagnose eines anderen Menschen ansehe, dann ist es doch wirklich erstaunlich, dass meine Bruchlandung erst nun kommt. Wie lange habe ich diesen Scheißvogel in der Luft gehalten, trotz aller fatalen Auswirkungen, die dieses Thema an Erkenntnissen für mich mit sich brachte? Mein gesamtes Selbstverständnis, meine Rolle und nicht zuletzt Entscheidungen, die ich vor Jahrzehnten getroffen habe, basieren allesamt auf falschen Annahmen. Das ist ein verdammt großer Frosch zu schlucken. Und trotzdem habe ich Monate damit verbracht, selber ungesehen meine gesamte Energie zu jemand anderem fließen zu lassen. Und selbst als sich das als kontraproduktiv herausstellte und ich völlig alleine war, habe ich es bis auf wenige Ausnahmen geschafft, meine Struktur aufrechtzuerhalten, die mir die Selbstwirksamkeit schenkt, die ich benötige, um weiterzumachen. Eine Freundin framte das mal als "so tun, als wäre alles in Ordnung" und das hat mich zutiefst verletzt. Denn das Umschalten aus der Trauer und der Verzweiflung und dem Schmerz heraus ist eine meiner absoluten Meisterfähigkeiten. Ich kann das in Perfektion und es ist vielleicht der Skill meines Lebens. All diese Gefühle und Ohnmacht zur Seite schieben zu können, damit sie mich nicht übermannen und sie zu einem Zeitpunkt meiner Wahl herausfließen zu lassen, um sie zu verarbeiten. Ich will kein Befehlsempfänger meiner Hilflosigkeit sein. Mein Wissen, dass ich in meinem Leben immer auf die Füße fallen werde, ist untrennbar damit verbunden und nichts davon ist gespielt. Nichts in mir "tut so", als wäre alles in Ordnung. Ich habe mein Gehirn in diesen Momenten aber so weit im Griff, dass ich mich für Stunden, Momente, Situationen aus der Trauer lösen kann und das ist das,was mir die Kraft gibt, ihr in anderen Momenten erneut zu begegnen. Was Menschen in dieses Verhalten hineininterpretieren oder daraus ableiten, ist nicht mein Problem.

Kati 10.01.2026, 12.08 | PL

Durchlässigkeit

Meine engsten Vertrauten sind Menschen, die - Überraschung! - sich hervorragend zusammenreißen können. Sie nutzen dafür ähnliche Methoden wie ich - selbstverletzendes Verhalten, Betäubung durch Essen/Alkohol/Rauchen/anderes, Sarkasmus, Ironie, Bissigkeit, schwarzer Humor - und bleiben dabei stets für sich, weil sie schon als Kinder gelernt haben, dass in diesem Leben niemand kommt und einen rettet. Die Grenzen, die sie dabei verteidigen, um nicht echte Gefühle zulassen oder gar zeigen zu müssen, sind absolut.
Auch das erinnert mich an mich selber.

Wenn ja doch niemand kommt und dir hilft, warum sollte man dann das Risiko eingehen, und auch noch Verletzlichkeit zeigen? Sie macht einen doch nur schwächer. Noch hilfloser, als man ohnehin schon war? War in den Händen der Menschen, deren Aufgabe es war, einen zu lieben und sich um einen zu kümmern doch nur eine weitere Waffe, mit der sie dir Schmerz zufügen konnten, wenn du deinen Schutzwall aus Unaufmerksamkeit oder im irrtümlichen Glauben, es sei jemand für dich da, sinken lässt. Natürlich lernt man aus diesen Fehlern, die nie welche waren, die dich aber dazu verdammt haben, ein Leben im Überlebensmodus führen zu müssen, selbst heute, wo diese Menschen so fern in der Vergangenheit liegen und du all das nicht mehr brauchst. 
Aber so funktioniert Trauma.
So funktionieren Mechanismen.
Die Traumaantwort sichert heute nicht mehr dein Überleben, sie ist sinnloses Überbleibsel aus einer Zeit, in der sie dir gut diente und inzwischen ohne echte Funktion über dich herrscht. 
Und was ist das für eine Schreckensherrschaft, wenn sie alle deine Gedanken kontrolliert?

Ich habe erst in den letzten Jahren mühsam gelernt, dass Zusammenreißen nicht dasselbe ist wie echte emotionale Regulation. 
Emotionale Regulation ist durchlässig, mauert nicht. 
Steht auch in Verletzlichkeit und Schmerz ruhig für sich, ohne in eine dieser Verhaltensweisen zu kippen.
Ich habe von all diesen Verteidigungsmechanismen endgültig die Schnauze voll. Will in einem sicheren Umfeld das, was ich mein Leben lang als Schwäche empfunden habe, kommunizieren und leben, um mich nicht weiter selbst zu verleugnen.
Ich will keine Wirdschons, keine Alleswirdguts, keine Mussjas, keine Witzchen, keine Hilftjanix' mehr, ich will Begegnung.

Im Zusammenspiel und in Beziehung zu Menschen, die das anders leben, muss ich mich zunächst nur um mich selbst kümmern, ich bin der einzige Mensch auf dieser Welt, den ich ändern kann.
Die Liebe zu ihnen berührt das alles nicht, wohl aber meinen Umgang mit mir in solchen Situationen, in denen ich mich davor schützen will und muss, wieder in meinen eigenen Mechanismus zu kippen. 

Kati 09.01.2026, 10.47 | PL

Begegnung

Ich trage so viel Schmerz in mir. 
Übergangsschmerz zwischen dem gewesenSein und dem Werden, das noch so wenig Form hat. 
Ich sehe meine Tochter, die so fruchtbar und wunderschön hell leuchtend in eine Zukunft startet, in der ihr ganzes Universum auf ein Wesen ausgerichtet sein wird, das sie lehren wird, was Liebe wirklich bedeutet. 

In mir ist nur Traurigkeit, Erschöpfung, Rückzug und Verletzlichkeit. Ich bin das Ende von etwas, das mir lange selbstverständlich war. In der Begegnung mit ihr reiben diese zwei Lebensphasen so schmerzhaft aneinander, dass ich mutlos zurückbleibe. Meine Identität als Mutter endet. Ich war fast zweieinhalb Jahrzehnte lang ausschließlich die Mama. Die Starke, die, die trägt, die eine existentielle Aufgabe hat, die niemand in Frage stellt. 
Ich habe Mutterschaft gelebt, vollständig, intensiv, mit jeder Faser meines Seins. Eine Identität, die mir Sinn gegeben hat. Ich verlasse also nicht nur eine Phase meines Lebens, ich verlasse eine jahrzehntealte Daueraufgabe, die mein Nevensystem strukturiert und alles um mich herum gehalten und getragen hat. 
Ich habe reguliert, erzogen, gehalten, getragen, ausgeglichen, geführt, geleitet, ermutigt, habe zugehört, war emotional ununterbrochen für alle in meiner Umgebung verfügbar. Und obwohl ich davon so müde bin, trauere ich. Ich trauere um die Version von mir, die sich so lange so sicher war, was ihre Berufung ist. 

Das, was jetzt folgt, hat keinen gesellschaftlich akzeptierten Namen außer alt
Im Patriarchat verliert eine Frau nicht nur Jugend, Schönheit und Fruchtbarkeit, sondern vor allem an Wert. 
Und ich merke das. Jeden Tag.

Kati 07.01.2026, 10.59 | PL

Hätte hätte

Ich bin an manchen Tagen so traurig, dass du nicht in meiner Nähe wohnst. Ich bin traurig, weil von uns beiden nur du die freie Wahl hattest, wo du hinziehen möchtest und dir war ein anderer Ort wichtiger. Andere Menschen. Ich bin traurig, weil ich an manchen Tagen fast verzweifle, nicht einfach kurz bei dir vorbeischauen zu können, dich in den Arm zu nehmen und einfach nur bei dir sein zu dürfen. Ich respektiere deine Entscheidung, was bleibt mir anderes übrig. Du hast entschieden, was und wer dich glücklich macht und wo du leben willst. Aber es hat etwas mit mir gemacht. Nichts Gutes.

Kati 28.10.2025, 09.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Erdung

"Es ist wie vor 4 Jahren!", flüsterst du mir zu und ich sehe den Schmerz und die Tränen der Verzweiflung in deinen Augen. Ich schiebe dich in den Regen, nur wir beide und die Urgewalt, die da draußen um uns herum tobt. Ich halte dich fest, flüstere dir zu, wie sehr du geliebt wirst und so stehen wir da. Ich kann dir nicht helfen und weiß doch zu genau, wie es ist, wenn die Dunkelheit einen zu überwältigen droht. Ich weiß es. Und ich fühle deine unbändige Energie, dein Licht, deine Stärke, die du allesamt noch so wenig unter Kontrolle hast. Ich kann dir nicht helfen und es macht mich wahnsinnig. Ich kann nur hier bei dir sein, dich erden, dich festhalten, dich lieben und hoffen, dass das reicht.

Kati 27.10.2025, 08.00 | (0/0) Kommentare | PL

Verweigerung

Was wir brauchen, ist nicht noch eine weitere intellektuelle Instanz, die alles auseinandernimmt, was nicht gefühlt werden kann. Und so muss ich mich dir verweigern, um mir selber treu zu bleiben. Was ich brauche, wonach ich mich sehne, wonach ich mich verzehre, liegt nicht im Neocortex und verlangt von dir, dich dorthin zu begeben, wo deine Angst liegt. Und ich bin mir dessen gewahr, was ich von dir verlange, denn dort gibt es die Illusion nicht mehr, alles im Griff zu haben, wenn man sich nur genug selbst kasteit, dort gibt es nur noch das Aushalten all dessen, was du dir zu fühlen versagst, weil es sich deiner Kontrolle entzieht.

Kati 04.01.2025, 18.00 | (0/0) Kommentare | PL

Intimität

Wahre Intimität ist nicht die Art von Nacktheit, für die ich sie früher hielt.
Sie blickt so viel tiefer. 
Sie ist die Umarmung mitten in der Nacht, wenn jedes Wort zu viel wäre. 
Sie ist das Wissen um all unsere Schwächen und die Akzeptanz dessen, was man sieht. 
Sie ist Vergebung und Nachsicht gleichermaßen. 
Sie ist das Werben um das, was man schon besitzt. Nie vergessend, welche Kostbarkeit man in Händen hält.
Sie ist der Blick auf das, was jedem anderen verborgen bleibt. Die rohe und hässliche Fratze eines jeden Menschen wertungsfrei sehen könnend und trotzdem nicht zurückzucken. 

Wahre Intimität findet dort statt, wo sich zwei Menschen trotz des Wissens, dass ein falsches Wort in dem Maße verheerend wäre, dass es nicht wiedergutzumachenden Schaden anrichten würde, in vollem Vertrauen darauf, dass ebendies nicht geschieht, verwundbar einander öffnen. 
Sie ist die Blöße, die man sich erlaubt, um einem anderen Wesen einen Blick auf die eigene Seele zu ermöglichen. 
Die Angst, die damit einhergeht wird gespeist aus der Fatalität, die jede Verwundung verursachen würde. 
Hier ist kein Platz für Kampf. Nicht für Spiel, nicht für Koketterie, nicht für Ego. 
Nur Offenbarung, Liebe, Vertrauen, Hoffnung, Glaube.

Kati 22.07.2024, 23.00 | (0/0) Kommentare | PL



Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.

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