Es ist still im Auto. Es ist der einzige Moment des Tages, an dem in meinem Leben wirkliche Stille herrscht. Alle großen Kinder in der Schule, das Kleinste im Kindergarten, der Mann bei der Arbeit. Der Einkauf liegt hinter mir und ich sitze in meinem Auto. Vor mir liegt die Adventsausgabe unserer Kirchenzeitschrift. "Hoffnung braucht Nahrung" schreibt dort unsere Pfarrerin über die Adventszeit und das, was uns die Dinge aushalten lässt. Ich lese mich durch die Texte und beiße ab und an von meinem Brötchen ab, das ich mir gerade gekauft habe. Im Kofferraum liegt der kleine Braunbär, der mal ein Hund werden wollte und dann doch irgendwo falsch abgebogen ist. Er schläft. Ich kenne meine To-Do-Liste für den Tag. Ich kenne jede Aufgabe, jede Sprosse meines Hamsterrades. Aber dieser Moment gehört mir. Ich sitze hier und genieße es, die geschäftigen Leute um mich herumeilen zu sehen. In den Supermarkt, aus dem Supermarkt, zur Caritas, auf den Parkplatz, mit dem Hund spazieren, den Kinderwagen schiebend, ein oder mehrere Kinder hinter sich herziehend oder vor sich herscheuchend und in meinem Auto höre ich nichts davon. Die Welt schrumpft auf mich, mein Brötchen und ab und zu ein leises Babyschnarchen des Hundes zusammen. Es geht mir gut. Fünf Minuten später ist es eiskalt im Auto. Das Brötchen aufgegessen, die Zeitschrift durchgelesen und der Hund aufgewacht. Es geht weiter. Bis morgen. Morgen früh wird dieser Moment wieder mir gehören. Ich freue mich darauf und halte mich verzweifelt daran fest, während der Tag wieder meinen Namen schreit. Ja. Hoffnung braucht Nahrung.
Der Kobold und ich haben unsere tägliche Grundreinigungsrunde hinter uns und er hat es tatsächlich geschafft, auf den Staubsauger aufzusteigen um sich ziehen zu lassen.
Ich möchte gern heute und morgen noch ein Kleid fürs Töchterchen entwerfen und nähen, weiß aber nicht, ob ich das vor dem Urlaub bei meinen Großeltern noch schaffe.
Der nächstgrößere Sitz für Sohnemann ist aus dem Keller geholt worden, die Schale hat schon eine erfrischende Dusche hinter sich und der Bezug darf gerade ein entspannendes Schaumbad in der Waschmaschine nehmen. Mal sehen, ob er mir das übel nimmt...
Ich sitze hier mit einem Stück Kuchen in unserer sonnendurchfluteten Küche und nur ab und an bumst Sohnemann mit seinem Kopf gegen die Tischplatte. Wir waren gerade über eineinhalb Stunden lang draußen und haben das schöne Wetter genossen. Wir haben am Bach gesessen und die Natur gefühlt, gesehen, gehört. Er auf einer warmen Unterlage saß dort wie der König höchstpersönlich und nahm Rinden, kleine Tiere und Pflanzen um sich herum in Augenschein (und in den Mund, woran ich ihn zumindest bei lebender Materie gehindert habe).
Dort saßen wir eine viertel Stunde, eine halbe Stunde und noch länger, und es war wunderschön. Der Kobold ist bei Krabbelversuchen bergauf leider ein paar Schritte bergab gepurzelt, was seinem Entdeckerdrang aber keinen Abbruch tat. Der Rückweg war dank der Krankheit die letzten drei Wochen nicht sehr spaßig, aber ich denke, mit ein wenig Training schaffe ich in den nächsten Wochen gute Fortschritte. Ich war wohl gesundheitlich durch eine Grippe noch nie so allumfassend angeschlagen – und das trotz sehr starker Medikamente…
So, und jetzt weiter mit den vielen Kleinigkeiten, die hier liegen geblieben sind, weil ich völlig schachmatt war.