Blogeinträge (themensortiert)

Thema: so Tage eben

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Keine Zeit, keine Zeit... 
Morgens um 7 Uhr die ersten 10 Kilo Putz anzurühren, um die Wände fertig zu bekommen, damit man nach dem Abtrocknen dann das Esszimmer endlich streichen und fertig machen kann, so lange zu fünft in der kleinen Gartenküche ohne Tisch einfach beim Essen herumzustehen oder zu sitzen oder sich gedrängt an die Arbeitsplatten zu stellen, jede Minute kann der Anruf kommen, dass die Geburt losgeht, die Esszimmerschränke stehen aktuell vor meinen Schränken, in denen sich die Karten und das Geschenk zur Geburt befindet, dazu die Autofahrschulkatastrophen der beiden Chaotenkinder, der Marder hat erneut das Autokabel angenagt, ich habe keine Ahnung, wann ich wie wo was am besten machen soll, ich bin mitten in der depressivsten und hoffnungslosesten Phase meines Lebens und laufe nur noch auf Hochfunktionalität, ich weiß das. 

Ich betreibe Raubbau an meinem Körper, an meinem Geist und an meiner Seele und habe oft so dunkle Gedanken, die zäh wie flüssiger Teer an mir kleben und sich weder abschütteln noch abwaschen lassen, also schleppe ich mich mit ihnen durch die Tage, immer weiter, immer weiter, gehetzt von einem äußeren Umstand nach dem nächsten, nichts mehr im Griff, nichts mehr unter Kontrolle, einfach nur noch mitlaufen, rennen, kriechen, immer weiter. 

Meine Unfähigkeit, mich begreiflich zu machen, belastet nicht nur mich, sondern auch meinen Gesprächspartner und wo ich Grenzen kommuniziere, ernte ich nur Unverständnis und selbstzentrierten Fokus, der mich unsichtbar, unbegreifbar, unwichtig macht. 
Nicht mein Inhalt wird gehört, sondern die Form, was schwer ist, wenn jemand wie ich nur noch mit dem Rücken zur Wand versucht, sich schreiend, wütend, innerlich verzweifelt weinend Gehör zu verschaffen, wo Worte nicht auf emotionalen Resonanzboden sondern intellektuelle Analyse fallen.

Kati 21.01.2026, 09.50 | PL

Abbruch

Leise rieselt der Putz...

Nachdem wir die Heizungen im Esszimmer voll aufgedreht haben und der Putz ein paar Tage trocknen konnte, kommen nun weitere große Platten davon von der Wand. Am Freitag kommt der Dachdecker, der sich die Hausecke ankuckt, denn es ist nasser als es sein dürfte, Bruchstein hin oder her. Leider regnet es zusätzlich wieder in Strömen, das Haus wird nass, die Wand ist nass, wir trocknen von innen gegen, es ist alles sehr unerquicklich. Aber gut, immerhin etwas zu tun zusätzlich zu den ganzen Waschladungen, die gerade anfallen, weil das Baby aus dem Skiurlaub zurück ist und zumindest heute auch nur halb so schlimm aus demselben Grund: Ich habe das Butzebaby wieder. 
Er hat sogar daran gedacht, mir ein Souvenir mitzubringen und der dritte Satz nach seiner Ankuft (während er schon ausgehungert Käsekartoffelpürre und Fischstäbchen in sich hineinstopfte) war: "Endlich wieder richtiges Essen." Wir sind also wieder komplett, er durfte den Tag heute durchatmen und morgen beginnen dann wieder Schule und Alltag. 

Kati 14.01.2026, 18.12 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Struktur

Jetzt wo das kleine Kind für etwas längere Tage weg ist, merke ich erst, wie sehr unser aller Alltag auf sein Bedürfnis nach innerer und äußerer Ordnung ausgelegt ist. Und automatisch entspanne ich. Lasse Dinge liegen, lebe in einem Rhythmus, der mehr meiner als seiner ist. Hier ist zum Glück (bis auf den Mann) niemand mehr, den das stört und so muss ich auch keinen Aktionismus ertragen, bei dem jemand versucht, meine Nachlässigkeiten noch schnell aufzuholen, sondern es darf einfach liegen bleiben und ich fühle dabei so viel Freiheit und Ruhe. Das fängt in der ritualisierten morgendlichen Hektik an, die mehr einer einstudierten Performance gleicht als einem Alltag, den ich freiwillig leben würde, aber ihm ausreichend viel Sicherheit und Struktur vermittelt, um in seinen Tag zu starten.

Die Worte, die Handlungen, die genau bemessene Interaktion, das repetitive Aneinanderreihen von jahrelang gewachsenen Verhaltenselementen und das Wissen darum, dass bei einem Fehltritt der Meltdown oder schlimmer Shutdown droht. Ich nehme es im Alltag nicht so sehr als Zwang wahr, aber jetzt, wo er fehlt, ist das Durchatmen in mir deutlich spürbar.
Ich habe entschieden, diese Tage zu genießen, obwohl ich mir Sorgen mache, wie er zurechtkommt, was ich hinterher auffangen muss und ich ihn mit jeder Faser meines Mutterseins vermisse. Mein Baby. Mein Nesthäkchen. Und mein besonderer Butz.

Kati 08.01.2026, 15.22 | (3/0) Kommentare (RSS) | PL

Auf ein Neues.

Ich stehe nach dem Duschen nackt und wundgeschrubbt auf der Terasse und genieße die Kälte, die mich so verlockend umhüllt. Klare Luft, Eiseskälte und Stille. Nur von mir geht ein schwacher Erdbeergeruch aus, der mich wohlig in der Nase kitzelt. 

Meine Vorsätze beziehen sich dieses Jahr auf Dinge, die ich lassen, statt auf Dinge, die ich tun will. Und so ist auch klar, dass das neue Jahr keinen schöpferischen Impuls aus kreativer Kraft geben kann, sondern mit Sorgen startet. Geldsorgen, Gesundheitssorgen, Beziehungssorgen, Kindersorgen, Tiersorgen. Und zum ersten Mal fühle ich Anfang Januar keinen Schaffensdrang. Der Schnee, der draußen liegt, berührt mich nicht, obwohl das zeitlebens mein Highlight des Winters war. Es dringt einfach nicht durch. Ich hänge beim Fotosortieren immer noch in düsteren Gedanken fest, was ich alles mit mir habe machen lassen, um meinen Wert als Mutter, Ehefrau, Tochter, Enkelkind, Freundin, Arbeitskraft zu beweisen und nichts davon hat mich wirklich weitergebracht. Also lösche ich weiter. Aus meiner Erinnerung kann ich es nicht löschen, aber als Zeitdokument muss ich es nicht behalten.

Kati 05.01.2026, 12.11 | PL

Tagwerk

Weitere 18.000 Fotos gelöscht.

Kati 04.01.2026, 23.01 | PL

Ausmisten

Weiter geht die Sortiererei. Seelenreißen, als ich in die Jahre komme, in denen wir so viele Kaninchen hatten. Da sind sie alle. Meine Herzenstiere. Inzwischen warten wir nur noch darauf, dass die letzten Tiere, die wir hier abgeliefert bekommen haben, ihre Leben zuende gelebt haben. Keine Babys mehr, nur noch Altenpflege. Nur noch Ende, wo mal Leidenschaft war. Meine geliebten Kaninchen sind inzwischen alle tot. Es tut weh, ihre Bilder zu betrachten. Das war immer meine Tierart. Aber wozu noch? Sie binden mich ans Haus, wieder niemand da, der auf sie aufpassen oder sich vernünftig um sie kümmern würde, wenn ich nicht kann. Niemand, der das außer mir noch wollen würde. Ich lösche also Fotos und behalte meine Erinnerungen, die nur für mich noch Wert haben. Beim Memory bemerkt, dass viele Kaninchen, die dort auf Fotos vertreten sind, von den Familienmitgliedern gar nicht mehr zugeordnet werden können. Die Namen,nur noch Schall und Rauch. Ich bin traurig. 
Weiter Fotos sichten, weiter löschen.

Kati 02.01.2026, 20.35 | PL

Neubeginn

Besuch abgebrochen, als ich gemerkt habe, es macht so keinen Sinn. Mit weinendem Herz, ein letztes Mal. Immer noch eine Organisationsfrage, wie ich es anstellen soll, dorthin zu kommen. Viele schmerzhafte Wahrheiten gehört. Viel Streit abgefangen, viele Verletzungen getröstet, viel den Mund gehalten. Meine Unwichtigkeit und Vergänglichkeit deutlicher gespürt als ohnehin schon. 
Der absolute Supergau dann am Abend. Ich weiß allmählich nicht mehr, wozu noch.

Kati 01.01.2026, 22.34 | PL

3000 Fotos

Knapp 3000 Fotos wandern vom Desktop in den Ordner 2025. 
Damit schließt sich ein weiteres Jahr meines Leben und ein weiterer Ordner an Erinnerungen, die für sonst niemanden interessant sind. 
Es sind eh inzwischen hauptsächlich meine Hunde, Essen, mein Garten...

Kati 31.12.2025, 11.00 | PL

Unter die Haut

"Zeig dich.", flüstert sie. Ich war mir bislang nicht sicher, ob es eine gute Idee war. Aber es beginnt, wie es immer war. Es braucht nur wenige Momente Kontakt zwischen uns, bis wir beide brennen. Ich spüre, wie in mir alles weit wird. Keine Regulation mehr. Nur noch sein dürfen. Ungehemmt, ungebremst, unzensiert. Da ist jemand, der das tragen und vor allem ertragen kann. Wir tanzen vier Stunden am Abgrund, nur wir beide und die Gedanken, die sonst niemand hören darf. Und doch ist es anders. Die letzten Jahre haben die Hoffnung von ihr gerissen. Hoffnung darauf, dass das Leben anders werden kann, dass es eine Chance gibt, irgendwann etwas zu finden, wo man zur Ruhe kommen kann, wenn man dessen überdrüssig wurde, jederzeit alles haben zu können. Ich spüre, dass sie nicht mehr nur angreift. Es ist Verteidigung in ihrem Verhalten. Müdigkeit. Erschreckend viel Müdigkeit. Ich frage mich, ob ich einen Blick in die Zukunft werfe oder schon in ihr angekommen bin. Ich will das nicht.

Kati 15.12.2025, 08.39 | PL

Der schwarze Zwilling

Es ist ziemlich genau drei Jahre her - einige Monate nach dem Suizid meines Vaters habe ich sie das letzte Mal getroffen. Warum ich immer noch betonen muss, dass es ein Suizid war, erschließt sich mir noch nicht in Gänze. Es ist, als würde ich der Welt pedantisch mitteilen wollen, dass er nicht einfach so gestorben ist, wie Menschen das nun mal tun, sondern sogar das Leben und den Tod selbst manipulieren musste, wie er alles manipuliert hat, dessen er habhaft werden konnte. Ich konnte ihm nicht viel verweigern, aber den Umstand, einfach gestorben zu sein, den wird er nicht für sich beanspruchen können. Ich habe sie also getroffen und wie jedes Mal zog sie mich sofort in ihren Bann. Meine Sprache wurde klarer, offen für das Unaussprechliche, das ich niemandem anvertraue, das nur als Nicht-Echo in dem schwarzen Loch verschwindet, das ihre Seele bildet. Und ich genieße es. Wie jedes Mal. Ich habe in dem Moment aber auch erkannt, wie gefährlich sie für meine wackelige Stabilität sein würde, also habe ich mich verweigert. Nicht nur den Anrufen, den Spontanbesuchen, nein, auch dem puren Denken an ihre Existenz. Nachdem ich letzte Woche davon berichtet habe, dass ich sie getroffen habe, kam keine Reaktion. Man sollte meinen, dass Menschen, mit denen man schon so lange sein Leben teilt, ein natürliches Interesse an mir hätten, Fragen stellen oder sich besorgt erkundigen würden, was das mit mir gemacht hat, aber ich habe nach ein paar Tagen die leisen Gesprächsversuche eingestellt, die resonanzlos im Nichts verhallten. Wir sind verabredet. Heute. Und ich weiß, dass ich gleich wechseln werde. Sie ist ein gefährlicher Mensch für mich, sie zeigt mir, was ich haben könnte, wenn ich mich anders entscheiden würde. Sie nimmt sich. Alles. Männer, Frauen, Sex, Geld, Gelegenheiten, Vorteile. Und sie hat kein Gewissen. Nie gehabt. Sie lügt, sie betrügt, sie verrät, sie tut im Grunde das, was alle Menschen tun, aber ohne das zerschlissene Deckmäntelchen des vorgetäuschten Anstands, das die anderen über ihr eigenes Verhalten breiten. Sie manipuliert alles und jeden - auch mich, natürlich. Und sie tut es in einer an Anstößigkeit grenzenden Wonne, so dass ich ihr mit jeder Minute Zusammensein mehr verfalle als gut für mich und mein mühsam erlerntes Gutmenschentum ist. Ich genieße ihre rohe und obszöne Echtheit. Wie vulgär sie die Dinge beim Namen nennt, wie sie die Maske von restlos allem reißt, bis ich nackt vor ihr stehe und meine Wahrheiten aussprechen darf. In der Gewissheit, sie nicht schockieren zu können, einfach sein zu dürfen. Es ist bestimmt kein guter Zeitpunkt. Das ist es nie. Ich merke, wie mein Leben gerade kippt. Die letzten Jahre haben aufgezehrt, was mich voller Hoffnung durch die Welt getragen hat. Wir werden sehen, was sie mir geben kann.

Kati 12.12.2025, 08.38 | (0/0) Kommentare | PL



Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.

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