Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Leute gibts

Covidnachwirkungen Tag 9 - Montag

Der Test ist negativ. Mein Körper scheint da grundlegend anderer Meinung zu sein, denn es wütet nach wie vor schmerzhaft in mir, auch wenn ich weiter Besserung fühle. Das nächste Kind ist krank und ich mache mir ein weiteres Mal Sorgen. Wenn wir nur nicht alle so vorbelastet wären. Herz, Lunge, Immunsystem. Ich kann nur hoffen. Ich erinnere mich gut an gestern und ich erinnere mich seit einer Woche an das erste richtige Lachen am Abend. Liebe Menschen tun ohnehin das ihre, dass ich zumindest in den Stunden Discord am Abend alles andere zur Seite schieben darf, aber gestern überwiegten nicht die Schmerzen beim Sprechen und die Angst, dass jederzeit der Husten kommen kann, sondern die Leichtigkeit und der Spaß. Für mich das deutlichste Zeichen dafür, dass es bergauf geht. Ich rieche und schmecke nach wie vor nichts, die Periodenblutungen erinnern mehr an Wochenbett als an normale Menstruation, die Atemwege sind heute deutlich freier.

Kati 04.11.2024, 09.00 | (0/0) Kommentare | PL

Covid Tag 8 - Sonntag

Heute vor einer Woche um diese Zeit erlag ich noch dem Größenwahn, dass so viele Leute von "wie ein leichter Schnupfen" sprechen, dass es mich vielleicht auch verschonen würde. Und bei allem, mit dem ich mich herumschlage, bin ich mir dessen bewusst, dass ich medizinisch gesehen einen sehr milden Verlauf habe. Ich weiß das und bin dankbar, zuhause sein zu können. Für den Rest ... bin ich vielleicht nicht allzu dankbar. Ich glaube, ich bessere mich. Der Husten geht zurück, die Nasennebenhöhlen pochen nicht mehr bei jedem Schritt. Dafür sind die Magen-Darm-Koliken auf einem armseligen Höhepunkt und ich weiß manchmal nicht, wie ich mich währenddessen überhaupt noch aufrecht halten soll. Gelenk-, Zahn-, Glieder-, Kopfschmerzen heute wieder aus der Hölle. Schwindel und Kreislaufprobleme. Konzentrationsprobleme. Schwächegefühl. Angst, Panikattacken. Ich hatte die Woche über das Gefühl, dass meine innere Aggressivität massiv zugenommen hat. Keine Genervtheit, keine Wut, sondern dass meine innere Hemmschwelle für echte Aggressivität massiv sinkt. Das erschreckt mich. Der Mann hat mir erzählt, dass ich ihn am Montag unangemessen intensiv für eine Banalität angegangen sei - ich erinnere mich an nichts davon. Dieser ganze Komplex, wie das Virus anscheinend jeden Bereich des menschlichen Seins beeinflussen kann, schockiert mich zutiefst. Ich hab wirklich schon unendlich viele Krankheiten und Verletzungen in meinem Leben ausheilen müssen - nichts davon ist irgendwie vergleichbar.

Kati 03.11.2024, 10.00 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL

Covid Tag 7 - Samstag

Die Nacht war bislang die erholsamste - mit Abstand. Nur ein richtiger Hustenkrampf mit Übergeben, ansonsten nur ein paar Hustenanfälle, aber ohne Atemnot und ich konnte danach einigermaßen gut weiterschlafen. Die lebhaften Träume halten an, die Schmerzen werden insgesamt langsam etwas weniger. Das Gehirn scheint sich weiter zu erholen, ich kann Gespräche von gestern Abend wiedergeben und erinnere mich an das meiste, das gestern passiert ist. Nachdem ich vorgestern versucht habe, ein Buch zu lesen und nach einer Viertelstunde aufgegeben habe, weil ich den Inhalt der ersten Seite nicht erfassen konnte, habe ich gestern Abend gehäkelt und der Automatismus von 43 Jahren häkeln greift zwar, es ist aber unfassbar anstrengend und nötigt mir echte Konzentration ab. Der beißende Gestank nach Ammoniak geht immer noch von allem aus, was tierische Bestandteile hat, ich rieche und schmecke nach wie vor nichts bis auf eine Ausnahme: Ich kann Vanille riechen. Ich bin müde und kraftlos und verliebt in die Idee, etwas zu essen, was lecker schmeckt.

Kati 02.11.2024, 09.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Covid Tag 6 - Freitag

Ich bin wacher. Was gestern als undifferenziertes Gefühl begann, manifestiert sich heute in Gewissheit. Ich denke wieder schneller, ich muss die Worte nicht erst mühsam aus Kisten kramen, ich kann wieder besser formulieren und auch kommunizieren. Trotzdem bewegt sich nach wie vor alles in Zeitlupe statt Echtgeschwindigkeit. Der Verlust von Geruch und Geschmack ist hart. Es ist, als würde der Welt ein grundlegender Baustein fehlen. Der von niemandem sonst wahrzunehmende Ammoniakgestank hängt nach wie vor über allem, was tierischen Ursprungs ist. Der Husten ist noch mal fester geworden, die Krampfanfälle schlimmer, es löst sich nichts mehr. Dreimal musste ich in der Nacht wieder 20 Minuten einfach nur am offenen Fenster stehen und versuchen, zwischen den Husten- und Würgeanfällen einigermaßen ruhig zu atmen ohne panisch zu werden. Zum draußen schlafen ist es leider zu kalt, die Temperatur fiel empfindlich unter die Grenze, bis zu der ich krank draußen schlafen kann. Nasennebenhöhlen unverändert, Kopfschmerzen eher hämmernd als stetig, Magen und Darm liefern noch das volle Programm. Ich bin müde. Müde und unendlich erschöpft. Alle Muskeln tun weh, der Nacken ist komplett steif und verspannt, ich kämpfe mit Kreislaufproblemen und starken Schwindelanfällen.

Kati 01.11.2024, 09.00 | (0/0) Kommentare | PL

Covid Tag 5 - Donnerstag

Der Morgen beginnt mit starker Übelkeit, Erbrechen, Hustenkrämpfen und dem Gefühl einfach nicht mehr zu können. Ich schlafe zu wenig, ich kann nicht gut atmen, mein extrem gut ausgeprägter Geruchssinn ist einfach weg und ich kann Mann und Kinder und die Tiere und mein geliebtes Draußen und alles, woran ich mich im Alltag orientiere, einfach nicht mehr riechen. Ich möchte mich zusammenkauern und weinen, aber das löst einen weiteren Hustenkrampf aus, also lasse ich das. Denken geht heute anscheinend deutlich besser, dafür spricht, dass ich angefangen habe, es hier aufzuschreiben und die letzten Tage nachzulesen, was überhaupt passiert ist. Kopfschmerzen verstärken sich bei Bewegung, Zähne tun nur noch beim Husten weh, ich huste nach wie vor weißen Schaum, was irgendwie eklig ist. Der Hals ist blutig und wund, Puls mit Betablockern bei 110, Sauerstoffsättigung bei 96%, auch wenn es sich beim Atmen nicht so anfühlt. Ich müsste was essen, aber ich schaffe es gerade noch nicht, Dinge, die ich weder riechen noch schmecken kann, einfach runterzuschlucken. Alles an dieser Krankheit triggert massiv Trauma und Erlebnisse von früher, ich versuche einfach irgendwie die Zeit totzuschlagen.

Seit 13 Uhr "riecht" alles, was tierischen Ursprungs ist oder tierische Bestandteile enthält, nach Ammoniak. Das ganze Haus stinkt und als der Mann für die Kinder gekocht hat und dabei Fleisch zubereitet hat, fühlte es sich an, als hätte man mir Säure in die Nase gegossen. Das Gehirn fühlte sich insgesamt tatsächlich etwas wacher an. Ich kann trotzdem kein einziges heute geführtes Gespräch vernünftig wiedergeben. Periodenlutungen haben deutlich zu früh in ungewöhnlicher Stärke eingesetzt, etwas, das schon nach den Impfungen passiert ist.

Kati 31.10.2024, 23.00 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL

Covid Tag 4 - Mittwoch

geschrieben an Tag 5 - Donnerstag, 31.10. 

Magenkrämpfe, Erbrechen, Darmkoliken sind meine neuen Freunde. Husten ist inzwischen krampfartig geworden, ich bekomme immer schlechter Luft, die Nasennebenhöhlen sind zu, jede Umlagerung oder Bewegung tut weh, löst Husten oder Atmennot aus. Der Kopf hämmert vor Schmerzen, ich bin gereizt und habe das Gefühl, ich bekomme wieder mehr von meiner Umgebung mit. Der größte Indikator dafür ist, dass ich am Mann herummeckern kann, eigentlich immer ein Zeichen für Besserung, wenn nicht mehr alles gleichgültig an mir vorüberzieht. Ich habe Ganzkörpermuskelkater vom Husten. Im gesamten Unterkiefer schmerzen alle Zähne wie bei starken Zahnschmerzen. Wortfindungsstörungen. Blasse Erinnerung an soziale Interaktionen. Um 19 Uhr noch darüber nachgedacht, wie lecker der Muffin schmeckt, drei Stunden später sind Geschmackssinn und Geruchssinn verschwunden. Auch starke Reize kommen nicht mehr im Gehirn an.

Kati 30.10.2024, 23.00 | (0/0) Kommentare | PL

Covid Tag 3 - Dienstag

geschrieben an Tag 5 - Donnerstag, 31.10.

Der Dauerkopfschmerz weicht einem migräneartigen Stechen im Kopf. Es ist bei Husten kaum auszuhalten. Die Hustenanfälle werden intensiver, ich kann nur noch draußen einigermaßen ruhig atmen. Zum Glück haben wir kühle und feuchte Luft, etwas Nieselregen, ich schlafe jetzt auch nachts draußen. Große Probleme mit Atemnot beim Aufstehen oder Bewegen. Ich friere ununterbrochen. Am Abend habe ich so viele Medikamente im Körper, dass ich wieder rudimentär denken kann, das Baden war aber definitiv zu anstrengend für den Körper, aber ich habe eine halbe Stunde nicht gefroren oder gehustet. Ab dem späten Abend kommt Erbrechen hinzu. Ich habe keine Erinnerung an jegliche zwischenmenschliche Interaktion an diesem Tag.

Kati 29.10.2024, 23.00 | (0/0) Kommentare | PL

Covid Tag 2 - Montag

geschrieben an Tag 5 - Donnerstag, 31.10.

Laut WhatsApps und Spiellogs kann ich sehen, dass ich mehr oder minder den ganzen Tag gespielt habe. Zwischendurch habe ich draußen geschlafen und was gegessen. Husten und Schnupfen, starke Gelenkschmerzen, ich weiß nicht mehr, was den Rest des Tages hier passiert ist. Keine Erinnerung an Interaktionen mit anderen Menschen, nichts.

Kati 28.10.2024, 23.00 | (0/0) Kommentare | PL

Covid Tag 1 - Sonntag

geschrieben an Tag 5 - Donnerstag, 31.10.

Ich erinnere mich noch daran, dass ich morgens erst negativ getestet habe, nach über einer Stunde war der Hauch einer Linie zu erkennen, bisschen Husten. Ich habe den Besuch verabschiedet, der Rest des Tages liegt im Dunkeln. Auf Social Media und WhatsApp kann ich sehen, dass ich im Laufe des Tages mit Menschen interagiert habe, ich erinnere mich an nichts davon

Ich bin zum ersten Mal überhaupt positiv, bin dreimal geimpft, gehöre gleich in mehreren Kategorien zur Risikogruppe.

Kati 27.10.2024, 23.00 | (0/0) Kommentare | PL

Sehnsucht

Manchmal willst du nur jemanden, der so sehr in seiner Intuition ruht, dass er dir die Maske vom Gesicht reißt - jemanden, der nicht zurückweicht, wenn er die hässliche Fratze dahinter sehen kann. Der nicht zurückschlägt, wenn ich austeile, ein Fels, der standhält, stoisch, gleichmütig, nicht weich, sondern hart wie Beton, gegen den ich so lange anstürmen kann, bis ich verletzt und erschöpft zu Boden sinke und keine Mauer mehr steht und die Tränen endlich laufen dürfen, weil da nichts mehr ist, was sie zurückhält. Jemanden, der mein gesamtes Denken ausschaltet, weil ich darauf vertrauen kann, dass er führt, dass er das Geschrei in meinem Kopf verstummen lässt. Das Geschrei, die Panik, die ständige Kontrolle, das obsessive Regelwerk, die Rituale, die Beständigkeit, das Stahlskelett aus Disziplin und Kontrolle über alles, was Emotion ist. Der die darunter liegende Verzweiflung aushalten kann und der mich trägt. Diesen zerflossenen Haufen Mensch, der ich einmal werden sollte und der nie die Chance bekommen hat, in einem anderen Modus zu existieren als im Überleben.

Kati 03.07.2024, 18.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL



Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.

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