Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Gedankenchaos

Maßstab

Was der Mensch in seiner grenzenlosen Selbstüberschätzung als Intelligenz definiert, ist im Grunde nicht mehr als eine durch Mutation bedingte Überfunktion zu vieler neuronaler Zusammenschlüsse, die dafür sorgen, dass die ach so reflektierte Krone der Schöpfung Zeit ihres Lebens eine explosive Mischung aus Kindheitsprägung, Traumaantwort und Mechanismus bleibt, die versucht, sich ihre Nutzlosigkeit durch Sinn, Aufgabe und Bedeutung schönzureden. Dabei könnten wir dem Universum egaler nicht sein. Es kräht kein Hahn danach, ob wir existieren, was wir tun und warum wir handeln. In spätestens drei Generationen wird sich niemand mehr an unsere Namen erinnern. 

Die Stimme in unserem Inneren? Gewissen, Moral, Ethik, die wahnhafte Illusion, "richtig" handeln zu können? Nicht existent. Wir reden uns ein, dass die Gemengelage in unserem Kopf mehr sei, als nur das Produkt aus schmerzhaften Kindheitserinnerungen, Erziehungswunden, Lieblosigkeit und rudimentären Überbleibseln von Instinkten, die wir schon seit ewigen Zeiten nicht mehr benötigen. Dabei formt sie nur dauerhaft die größte Lüge, die wir uns jeden Tag selbst erzählen. Eingesperrt in Körper, die wir von Anbeginn selbst zerstören, getrieben von der Jagd nach einem Hirngespinst namens echter Liebe, von dem wir nicht ablassen können bis wir uns fortgepflanzt haben. 

Das pathologische Streben nach Glück, Weisheit und Optimierung vertreibt uns die Zeit, bis wir auch für unseren Nachwuchs wahrhaft nutzlos geworden sind. Ab diesem Zeitpunkt kämpfen wir verzweifelt gegen unsere stetig feuernden Synapsen, die uns nur zu deutlich fühlen lassen, dass die Kaskade aus Angst und Schweigen in unserem Kopf unser Ende ankündigt, während wir noch erbärmlich strampelnd versuchen, allem irgendwie einen Sinn aufzuzwingen, gefangen in einem Leben, das im Vergleich zum Großen und Ganzen schlichtweg bedeutungslos ist.

Kati 03.01.2026, 05.21 | PL

Sichtbarkeit

Der Drang, sichtbar zu sein, ist vermutlich in den Menschen stärker, die konsequent ignoriert werden.
Aber was nützt mir alle Sichtbarkeit, wenn sie so austauschbar und willkürlich ist? 
Wenn ich im Grunde nur von einer Handvoll Menschen wirklich gesehen werden will, um glücklich zu sein?
Ich werde morgen vergessen sein, wie jeder Mensch. 
Und ein Teil von mir denkt immer noch, ich könnte so etwas wie Bedeutung gehabt haben.
Närrin.

Kati 29.12.2025, 07.53 | PL

Last Christmas

Zauber der Weihnacht...

Was die Weihnachtszeit für mich so besonders macht, sind die Menschen um mich herum. Menschen, die den Gedanken und die Vorstellung von dieser Zeit im Jahr mit mir teilen. Die es warm und gemütlich mögen, die Kekse backen oder verzieren oder essen wollen, die aufgeregt sind, den Baum zu schmücken, die sich daran erfreuen, dass überall Weihnachtsdekoration herumsteht und hängt und aktiv und zugewandt mit mir diese Zeit begehen wollen. Wenn alle aufgeregt sind, die Geschichte aus dem Adventskalenderbuch vom Tannenbaum Immergrün zu hören. Wenn jemand für mich die großen Lichterketten aufhängt, weil alle wissen, wie sehr ich dieses Licht im Haus ab Anfang November brauche. Wenn man mir einen neuen Anhänger für den Baum schenkt, den man selbst ausgesucht oder gebastelt hat, so wie die unzähligen, die ich schon habe, die mir alle die Geschichte von Freundschaft und Liebe erzählen. Pakete und Päckchen und Briefe und Postkarten, die hier den ganzen Dezember über eintrudeln. Wenn wir gemeinsam überlegen, wer welches große Adventsonntagsessen kocht, was es zu Heiligabend gibt, was wir an den Weihnachtsfeiertagen essen wollen. Ich liebe es, an Heiligabend mit der Familie in die Kirche zu gehen, ich genieße es so sehr, inmitten von anderen Menschen dort zu sitzen, zu singen, zu beten, die Weihnachtsgeschichte zu hören und in dieser festlichen Stimmung nach Hause zu kommen, wo man zusammensitzt und dankbar dafür ist, von seinen Liebsten umgeben zu sein.

Sollte ich irgendwann merken, dass dies von den wichtigsten Menschen in meinem Leben nicht mehr mitgetragen wird, wird das mein letztes Weihnachten.

Kati 19.12.2025, 06.40 | PL

Bedeutungslosigkeit

Wenn man in seinem Leben doch nur diese Handvoll Menschen überhaupt erreicht hat - wenn überhaupt - und wenn der Unterschied, den man gemacht hat, so verschwindend gering war, dass das Leben auch ohne mich seinen Weg gefunden hätte, welche Bedeutung habe ich dann überhaupt? Wenn alles Interesse an mir in meiner Funktion begründet liegt, wenn all mein Wirken mit meinem Rückzug nicht nur in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, sondern auch in seiner bloßen Existenz fraglich würde, warum sollte ich dann auch nur noch einen einzigen Schritt in eine Zukunft machen, die nach Erfahrungswerten mit der Vergangenheit und den Menschen darin nichts anderes erwarten lässt als weiteren Schmerz, weitere Enttäuschung, weitere Lügen und weiteren Verrat?
Wenn ich mich nun aus diesem Hamsterrad befreie, in wievielen Stunden, Tagen werde ich vergessen sein? Die Gewissheit, dass ich in Wochen oder Monaten selbst für Menschen, die nun behaupten, ich sei für ihre Leben wertvoll und wichtig, nur noch eine dieser vagen Erinnerungen sein werde, die einem wie nicht aussprechbare Worte hinten auf der Zunge liegen und dann beim Finden einer Umschreibung einfach in Vergessenheit versinken, macht mein Leben so unwichtig wie wertlos. Und im nächsten Schritt muss man vielleicht erkennen, welch Freiheit in diesen Erkenntnissen liegt. Mit welcher Kompromisslosigkeit sie einen Menschen von den Ketten des Richtigseins, Richtigtuns und Richtiglebens befreit. Wenn die Vorstellung von einem Vermächtnis so übermächtig wurde, dass man vergisst, dass dieses Leben vielleicht nur dazu dient, hedonistisch alles mitzunehmen,was es einem anbietet. Wo Begriffe wie Moral oder Ethik nur denen dienen, die sich ihrer ohnehin widersetzen, ist die beständige Predigt von Tugenden doch die schärfste Waffe derjenigen, die sich selber unmoralisch und skrupellos nehmen, was sie wollen. Und in Abwesenheit einer Hölle bleibt dieses Verhalten ohnehin ungestraft, ungesühnt. Davon fantasieren nur die, die denken, dass wir als die Krone der Schöpfung, als Gottes Meisterwerk in irgendeiner Form fürs angepasste Bravsein belohnt werden. Werden wir aber nicht.

Kati 11.12.2025, 09.51 | (0/0) Kommentare | PL

Gewalt

Ich habe mich Zeit meines Lebens als gewaltätigen und aggressiven Menschen beschrieben, weil Wut so sehr zu meiner Natur gehört, dass es mir ohne sie kaum möglich ist zu atmen. 
Ich lerne jetzt erst, dass meine Wut nie dazu da war, irgendjemanden oder irgendetwas zu vernichten. 
Sie war immer nur dafür gedacht, mich selbst zu schützen, weil es nie einen Menschen gab, der das getan hat. 

Meine Wut verschiebt sich gerade von Waffe zu Kraft, zeigt mir ihr volles Potential von Schutz statt Zerstörung. 
Wie ein Raubtier richtet sie sich auf, endlich bereit, gnadenlos all meine Grenzen zu verteidigen, weil ich meinen Wert nicht mehr davon abhängig mache, für andere Menschen zu funktionieren. 
Ich will nicht mehr als Regulativ gebraucht werden. 

Ich will gesehen, geliebt, umworben und gewertschätzt werden. Um meiner Selbst willen.

Kati 02.12.2025, 19.03 | (0/0) Kommentare | PL

Grenzen überschreiten

Wenn man nachhaltig seine Grenzen kommuniziert hat und sie wiederholt überschritten werden - was bleibt einem dann noch? Wenn man den Tag morgens schon weinend beginnen muss, weil das "Ich kann es besser und ich entscheide, dass deine Grenzen nichts wert sind" dieser Person nur noch mehr Chaos und noch mehr Arbeit bringt?
Verzweiflung, Wut und immer wieder die Frage: Wie hoch muss ich die Mauer denn bauen, damit meine Grenze endlich respektiert wird?
Wie laut muss ich werden, wie viel Wut muss ich generieren, wie weit muss ich mich entfernen?
Ich nähere mich mit riesigen Schritten dem Punkt, an dem ich alle Brücken hinter mir nur noch niederbrennen will.

Kati 01.12.2025, 07.27 | PL

Geburtstag

Vor einigen Tagen jährte sich der Geburtstag meiner Mutter. Und wie mit allen Dingen, die zwar in Erinnerung sind, aber nie ins psychologisch analytische Bewusstsein vordringen durften, sprang mich dieser Tag auf mehreren Ebenen besonders an. Der Geburtstag meiner Mutter war das ungeliebte Stiefkind in der Reihe der Familiengeburtstage. Ende November, im trüben Grau als Vorbote einer hektischen Weihnachtszeit, ungebeten, ungelegen, ungewünscht. 
Meinem Vater war es im Grunde egal, wie so viele Dinge - was zählte, war nur der Anschein.
Also musste ich mich kümmern, "damit sie nicht traurig" ist. Ich musste Kuchen backen, ich musste Geschenke besorgen - in seinem Namen natürlich - ich musste das Haus aufräumen, ich musste dafür sorgen, dass dieser Tag zumindest vordergründig gut über die Bühne ging. 
Ihre größte Sorge war jedes Jahr, dass sie Geschenke "in Weihnachtspapier" bekommt, denn früher gab es zu dieser Jahreszeit nur noch Weihnachtsgeschenkpapier und da hatte sie wohl immer das Gefühl, sie war es nicht "wert", dass man den Geburtstag trotz der Nähe zu Weihnachten wie einen Geburtstag behandelt. 
Auch hier musste ich dafür sorgen, dass keiner verletzt, brüskiert, enttäuscht wurde. 
Ich sah zu, wie sie die Geschenke meines Vaters auspackte und sich freute, dass er genau wusste, was sie sich über das Jahr gewünscht hatte, dass er wusste, mit welchen Büchern sie im Buchladen geliebäugelt hatte, dass er wieder ihr Lieblingsparfum besorgt hatte. 
Und ich sah zu, wie die Beziehung der beiden für einen kurzen Augenblick flüchtig aufleuchtete und nahm an, dass das wohl Entschädigung genug war, dass ich mich mit diesen Dingen so abgemüht hatte. Mein Selbstgebasteltes war keiner weiteren Erwähnung wert, aber zumindest gab es an diesem Tag nur wenig Gemeinheiten darüber, wie fett und ungepflegt sie geworden ist, wie dumm, wie krank, wie behindert, dass sie früher attraktiver war, dass andere Frauen größere Brüste, schönere Körper, mehr Freude am Leben hätten, dass sie nicht so viel Kuchen fressen soll...
Und da es vornehmlich meine Aufgabe war, in diesem Haushalt dafür zu sorgen, dass alle Erwachsenen ihre Gefühle regulieren konnten, war das mein Gewinn. Immerhin dafür war ich wichtig.
Ich beginne erst langsam, mich auch innerlich nachhaltig von diesen Strukturen und Überzeugungen zu lösen, aber ich tue es.

Kati 27.11.2025, 08.38 | (0/0) Kommentare | PL

Gegenwehr

Ich will nicht vernünftig sein. Ich will nicht zuhören, ich will nicht verstehen, ich will nicht einsehen, ich will nicht reden, ich will nicht mehr diskutieren, ich will ganz umfassend keine Worte mehr hören, die für mich kein Gewicht mehr besitzen.

Ich kann alles nachvollziehen. Ich habe Verständnis. Ich habe Mitgefühl. Ich verstehe die Gründe. Ich fühle all das. Aber es ändert nichts mehr.

Und die Wahl, derer ich so lange durch Lügen und Täuschung beraubt wurde, traf ich vor zwei Monaten. Weil das tatsächlich endlich meine Entscheidung war.
Es war alles so unnötig.

Kati 16.05.2025, 12.00 | PL

Unter Verschluss

Die Dunkelheit, die mich und das Leben mit mir so anstrengend macht, ist fest unter Verschluss. Manchmal höre ich mich selber reden und es ist wie mit Eisbergen: die 10%, die ich da an Belanglosigkeiten aus meinem Mund kommen höre, lassen nicht erahnen, wie es in der Dunkelheit darunter aussieht. Es vereinfacht vieles, stößt mich ab und fasziniert mich gleichermaßen, wie Menschen in diesem seichten Fahrwasser des sozialen Miteinanders überhaupt Erfüllung finden können, so ganz ohne Schmerz, ohne Lust, ohne Leidenschaft, ohne Tiefe. Aber es macht das Leben - vor allem für die, die es mit mir leben, wesentlich einfacher. Die absolute Hingabe, die Hitze der Intensität und auch das Unbehagen der gottlos ungefilterten Ehrlichkeit, denen ich jene aussetze, die sie wirklich wollen und mittragen können, fehlt. Aber nur unvollständig leben zu können, zieht sich schon immer wie ein roter Faden durch mein gesamtes Leben, also werde ich das jetzt wohl auch überstehen.

Kati 05.05.2025, 11.14 | (0/0) Kommentare | PL

Anders

Viel mehr als "Das habe ich mir anders vorgestellt" wird am Ende dieser Tage wohl nicht stehen. Ich und meine naiven Illusionen. Immer wieder.

Kati 25.04.2025, 08.12 | (0/0) Kommentare | PL



Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.

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