Blogeinträge (themensortiert)
Thema: Gedankenchaos
Mühen
Wenn Menschen, mit denen man dachte, fundamentale Werte und Vorstellungen zu teilen, plötzlich offenbaren, dass ihnen nichts davon wichtig ist, solange nicht die Arbeit, die das Schaffen dieser Grundlage benötigt, auf andere Menschen abgewälzt werden kann, dann muss man sich doch fragen, was denn überhaupt bleibt. War denn alles Illusion? Waren die Dinge alle nur so lange etwas wert und wichtig, so lange ich die Extrameile gegangen bin? Meine Vorfreude und meine Begeisterung dafür, es gut und bedeutend zu machen, sind in ein tiefes Loch gefallen. Ich frage mich, wozu denn noch, wenn diese Dinge nur mir wirklich so wichtig waren, dass ich den Hintern dafür hochbekommen habe und sie alle einfach über Bord geworfen werden, wenn es gewissen Unannehmlichkeiten in Form von Gedankenarbeit und Mühen und Empathie erfordern würde, sie aufrechtzuerhalten? Vielleicht komme ich so langsam an den Punkt,an dem ich erkenne, dass ich nie einen echten Unterschied gemacht habe. Und mein Wegfall bedeutet, dass das, was ich zu erschaffen gehabt haben glaubte, einfach mit mir stirbt.
Gewalt
Ich habe mich Zeit meines Lebens als gewaltätigen und aggressiven Menschen beschrieben, weil Wut so sehr zu meiner Natur gehört, dass es mir ohne sie kaum möglich ist zu atmen.
Ich lerne jetzt erst, dass meine Wut nie dazu da war, irgendjemanden oder irgendetwas zu vernichten.
Sie war immer nur dafür gedacht, mich selbst zu schützen, weil es nie einen Menschen gab, der das getan hat.
Meine Wut verschiebt sich gerade von Waffe zu Kraft, zeigt mir ihr volles Potential von Schutz statt Zerstörung.
Wie ein Raubtier richtet sie sich auf, endlich bereit, gnadenlos all meine Grenzen zu verteidigen, weil ich meinen Wert nicht mehr davon abhängig mache, für andere Menschen zu funktionieren.
Ich will nicht mehr als Regulativ gebraucht werden.
Ich will gesehen, geliebt, umworben und gewertschätzt werden. Um meiner Selbst willen.
Grenzen überschreiten
Wenn man nachhaltig seine Grenzen kommuniziert hat und sie wiederholt überschritten werden - was bleibt einem dann noch? Wenn man den Tag morgens schon weinend beginnen muss, weil das "Ich kann es besser und ich entscheide, dass deine Grenzen nichts wert sind" dieser Person nur noch mehr Chaos und noch mehr Arbeit bringt?
Verzweiflung, Wut und immer wieder die Frage: Wie hoch muss ich die Mauer denn bauen, damit meine Grenze endlich respektiert wird?
Wie laut muss ich werden, wie viel Wut muss ich generieren, wie weit muss ich mich entfernen?
Ich nähere mich mit riesigen Schritten dem Punkt, an dem ich alle Brücken hinter mir nur noch niederbrennen will.
Neue Pfade
Was, wenn mein Wert für dich nur darin besteht, dich zu tragen?
Wer bin ich dann, wenn ich damit aufhöre?
Keine Fragen. Kein Interesse. Keine Neugierde. Vielleicht war das von Anbeginn unwichtig, weil ich über meine Rolle hinaus nie wirklich gewollt war.
weich
Heute war ein guter Tag.
Wertschätzung
Wenn sich Komplimente einfach nur wie eine Aneinanderreihung von Dingen lesen, die man selber jemals als Beispiel dafür angeführt hat, für die gesehen zu werden sich gut anfühlen würde, dann hat das Gegenüber den Sinn von Wertschätzung nicht verstanden.
Geburtstag
Vor einigen Tagen jährte sich der Geburtstag meiner Mutter. Und wie mit allen Dingen, die zwar in Erinnerung sind, aber nie ins psychologisch analytische Bewusstsein vordringen durften, sprang mich dieser Tag auf mehreren Ebenen besonders an. Der Geburtstag meiner Mutter war das ungeliebte Stiefkind in der Reihe der Familiengeburtstage. Ende November, im trüben Grau als Vorbote einer hektischen Weihnachtszeit, ungebeten, ungelegen, ungewünscht.
Meinem Vater war es im Grunde egal, wie so viele Dinge - was zählte, war nur der Anschein.
Also musste ich mich kümmern, "damit sie nicht traurig" ist. Ich musste Kuchen backen, ich musste Geschenke besorgen - in seinem Namen natürlich - ich musste das Haus aufräumen, ich musste dafür sorgen, dass dieser Tag zumindest vordergründig gut über die Bühne ging.
Ihre größte Sorge war jedes Jahr, dass sie Geschenke "in Weihnachtspapier" bekommt, denn früher gab es zu dieser Jahreszeit nur noch Weihnachtsgeschenkpapier und da hatte sie wohl immer das Gefühl, sie war es nicht "wert", dass man den Geburtstag trotz der Nähe zu Weihnachten wie einen Geburtstag behandelt.
Auch hier musste ich dafür sorgen, dass keiner verletzt, brüskiert, enttäuscht wurde.
Ich sah zu, wie sie die Geschenke meines Vaters auspackte und sich freute, dass er genau wusste, was sie sich über das Jahr gewünscht hatte, dass er wusste, mit welchen Büchern sie im Buchladen geliebäugelt hatte, dass er wieder ihr Lieblingsparfum besorgt hatte.
Und ich sah zu, wie die Beziehung der beiden für einen kurzen Augenblick flüchtig aufleuchtete und nahm an, dass das wohl Entschädigung genug war, dass ich mich mit diesen Dingen so abgemüht hatte. Mein Selbstgebasteltes war keiner weiteren Erwähnung wert, aber zumindest gab es an diesem Tag nur wenig Gemeinheiten darüber, wie fett und ungepflegt sie geworden ist, wie dumm, wie krank, wie behindert, dass sie früher attraktiver war, dass andere Frauen größere Brüste, schönere Körper, mehr Freude am Leben hätten, dass sie nicht so viel Kuchen fressen soll...
Und da es vornehmlich meine Aufgabe war, in diesem Haushalt dafür zu sorgen, dass alle Erwachsenen ihre Gefühle regulieren konnten, war das mein Gewinn. Immerhin dafür war ich wichtig.
Ich beginne erst langsam, mich auch innerlich nachhaltig von diesen Strukturen und Überzeugungen zu lösen, aber ich tue es.
Unsichtbar
Und so entziehst du mir als logische Konsequenz deines Handelns nun auch die letzte Instanz, etwas über dich in Erfahrung bringen zu dürfen. Keine Öffentlichkeit, keine Sichtbarkeit, kein Verstehen, kein Erklären, keine Gedanken mehr. Was vor Jahren begann aus einem einst sehr wertvollen gegenseitigen Miteinander, ist nun für mich eine einsame sichtbare Insel geworden, die für dich jederzeit erreichbar ist, derer du dich aber ein ums andere Mal entziehst, eine Bastion nach der anderen. Jeder Kanal der Kommunikation wird nach und nach verschüttet, bis nur noch ich im Rampenlicht stehe, auch hier einsam. Ich sollte mich daran gewöhnt haben.
Ausgelaugt
Morgens die Augen öffnen und das Gefühl haben, man kann nicht mehr. Keinen Zentimeter mehr gehen, nicht mehr aufstehen, nicht mehr atmen, nichts mehr. Es ist alles zu viel. DIe Träume und ihre Verarbeitung fressen einen Großteil meiner Energie, der Exmann verbringt inzwischen jede Nacht bei mir und die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart lösen sich immer weiter auf. Ich wiederhole meine Geschichte, habe ich das Gefühl, und dann wieder doch nicht. Ich versuche, nicht aus den Augen zu verlieren, was anders ist und doch verschwimmen die Unterschiede im alle überwältigendem Gefühl von Verrat, Verletzung und Mutlosigkeit. Formen sich zu einem hoffnungslosen Klumpen von egal und zuviel. Bin besessen von der einen Frage, auf die es anscheinend keine Antwort gibt und verliere mich in Kontrollwahn, Kontrollzwang, Paranoia und Zerdenken. Das Trauma aktiviert jeden Mechanismus, den ich je hatte und ich kämpfe sie alle nieder. Bin nicht willens, mich dem auch noch auszuliefern, noch hilfloser zu werden, noch handlungsunfähiger zu sein als ohnehin schon, während ich mich frage, was denn so schlimm daran wäre, einfach genau so ein Arschloch zu sein wie alle anderen Menschen.
Erinnerungen
Ich verbringe meine Träume auf der Polizeiwache, auf der ich damals saß.
Die Erinnerung so vertraut. So ekelhaft an mir klebend.
Zitternd, frierend, von groben Polizisten umgeben. die verlangen, dass ich die Kleidung, die ich trage, in große Plastiksäcke stecke, wegen Spurensicherung, wie sie immer wiederholen.
Ich trage keinen BH unter dem Pullover, die Jacke habe ich bereits widerstrebend ausgezogen, kein Wort des Trostes, immer nur dringlicher werdender Verweis auf die Spurensicherung, ich bereue bereits seit ich von ihnen zuhause abgeholt wurde und in den vergitterten Rückraum eines Polizeibusses gesperrt und hier hingebracht wurde, dass ich überhaupt angerufen habe und gefragt habe, was ich jetzt tun soll.
Sprung zum Tatgeschehen, aber diesmal bin nicht ich es, diesmal habe ich eine meiner Töchter an meiner Seite, die vor meinen Augen exakt das erlebt, was mir vor 26 Jahren angetan wurde und ich brülle ein lautes und vernehmliches Nein, aber es verhallt im Nichts.
Meine Stimme bricht, wie auch im Alltag so oft in den vergangenen Wochen, ich sehe in einen Spiegel und muss doch neu erleben, was ich eigentlich schon kenne.
Ich brülle einen neuen Versuch. Ich trete dazwischen, ich nutze meinen Körper als ihren Schild und blicke aus nächster Nähe auf den grobschlächtigen schwitzenden Mann mit dem irren Blick, der versucht, zu ihr zu gelangen. Ich schreie. Endlich mit ganzer Kraft.
Plötzlich sind wir in einer Kirche, eine ganze Gemeinde stimmt in mein rhythmisches Nein mit ein, bis wir einen Chor von Frauen bilden, der sich ihm entgegenstellt bis er ablässt.
Ich laufe.
Meine Tochter dich an mich gepresst, nun als Baby.
Dann wieder als junge Frau, von hinten nähert sich der nächste Mann, ich werfe mich ihm entgegen, schreie ihr zu, sie soll weiter laufen und halte ihn fest, klammere mich an ihn, bis die Programmierung in mir übernimmt und endlich das Monster freilässt, das ich einmal war und so lange geschworen habe, hinter Gittern zu halten.
Der Rest des Traumes versinkt in Blut, Innereien, Triumph und einem Lustgefühl, das kein Entsprechen kennt, so warm, so vertraut, so befriedigend.
Ich wache auf.
Das Tragische an diesem Leben ist nur, dass es auf einer wahren Geschichte beruht.
woanders:
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